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Thomas Thiede | fiatlux
16. Mai - 20. Juni 2009 Arbeitsprozesse mit exakter Konzeption, die Offenheit gegenüber dem schöpferischen Impuls und die Lust am Einbringen selbstportraithafter Züge und persönlicher Erfahrungen führen Thomas Thiede zur zeichnerischen Fixierung seiner Wahrnehmungsbilder - Momentaufnahmen, in denen sich real wahrgenommene Eindrücke aus dem wachen Bewusstsein und verzerrte, surreale Bilder aus dem Unterbewusstsein durchdringen. In diesem Zwischenzustand vorüber ziehende, teilweise nur für den Bruchteil einer Sekunde existierende Bilder auf sich überlappenden Ebenen, zurückhaltend und filigran in Einklang gebracht, beeindrucken durch ihre implizierte Gegensätzlichkeit: durch Dezenz und doch kraftvolle Expressivität. "fiatlux" nennt Thomas Thiede seine aktuelle Ausstellung mit neuen Zeichnungen auf Papier, Holz und Wand. Thomas Thiede Auszug aus einem Gespräch zwischen Stephanie Rosenthal und Thomas Thiede anlässlich der Publikation zum "temporary wallpainting project" 2005 ... Kannst du noch mal ein bisschen was über die Groovetiere sagen, woher das kommt und welche Rolle die für dich spielen? Ob die wie Gesprächspartner sind oder ob das einfach die Form ist, die du losgelöst hast von ihrem Hintergrund, die überall wieder auftauchen kann? Es ist ein Symbol. Ich suche eigentlich immer nach einer Möglichkeit, Dinge zu bündeln, die mich interessieren. Das Wort Groovetiere und die Beschäftigung damit subsumiert Aspekte, die mir wichtig sind, wie Kraft, Bewegung, Emotionalität, Leidenschaft, Ausdruck. Der Begriff ist mir zugeflogen. Ich habe ihn von einem DJ, der ein Musikstück "Groovetiere ohne Stammbaum" betitelt hat. Das Stück hatte viele Seiten und Schichten und einen wahnsinnigen Gehalt mit einer Menge Energie. Es war schwer zu greifen, aber dennoch auf dem Punkt. Da ist sehr viel in mir angeklungen. Der Begriff war mir sympathisch und ich fand die Vorstellung spannend, mich in der Malerei damit auseinanderzusetzen. Mein Bedürfnis nach Kreation, mit Formen und Farben umzugehen, etwas zu schaffen, hat hier viel Nahrung gefunden, und die Verbindung zur Musik ist eh super und wichtig. Bisher geht mir auch der Stoff nicht aus. Liegt es daran, dass es eben doch relativ weit gefasst ist und auch sehr abstrakt? Es ist da eigentlich nichts vorgegeben, sondern du kannst es letztendlich immer wieder füllen. Ja, das würde ich so sehen. Es hat auch eine Unendlichkeit, weil ich mir hier Dinge vorgenommen habe, die eigentlich unmöglich und dadurch absurd sind, wie die Transformierung der Kraft von Musik ins Bild. Ich hab mal ein Gemälde gesehen, da hat jemand versucht, eine Bach-Sonate zu visualisieren, mit grafischen Elementen und so weiter. Darum geht es mir nicht, sondern darum, was Musik in mir auslöst, an Bildern, an Energie, an Emotionen, an Gedanken - diesen vielschichtigen Schwung, den ich aus der Musik mitnehme, in ein Bild reinzubringen. Und die Groovetiere sind eine Möglichkeit, um das eine in das andere zu transformieren? Ja, aber vielleicht eher ein Thema, das eine Orientierung gibt. Das heißt, sie sind für dich nicht personalisiert, es hat nicht so was Niedliches? Nein. Man würde ja nicht immer wirkliche Lebewesen darin sehen oder etwas Lebendiges. Manchmal sind es ja abstrakte Formen. Und wenn man den Titel dazu hat, dann kann man das rückbinden. Der Begriff Tier ist natürlich verfänglich, aber es ist nicht so gemeint, dass ich ein Lebewesen bauen will. Der lebendige Aspekt beschreibt mehr den Prozess und auch die Wirkung einer Arbeit. Und ist es auch ein Symbol für Ursprünglichkeit, für "das Tier in mir" oder vielleicht besser "das Kind in mir"? Ja, absolut. Es ist ja auch so, dass Kinder extrem anspringen auf die Sachen. Entweder finden sie es toll und abgefahren oder sogar interessant. Da gibt es eine Resonanz. Ich meine, jeder Mensch hat diese kindhafte Seite und die will ihren Platz und lebendig sein. Außerdem hat sie viel Kraft und Kreativität. Es hat außerdem etwas sehr Fantastisches, dadurch dass du die sichtbaren Grenzen der Realität auflöst. Es könnte so aber auch ganz anders sein. Diese Dimension hat die Kunst ja ohnehin und die Malerei im Speziellen. Du kannst in deinem Inneren andere, eigene Formen kreieren, und sind die dann nicht auch real? Was ist Wirklichkeit? Das ist natürlich schon drin in diesen Bildern. Die Begriffe Wirklichkeit und Realität meinen Dinge, bei denen ich so meine Schwierigkeiten habe. Es geht da sicher auch um Verortung, und das geschieht eigentlich jeden Tag neu, wenigstens im Inneren. ... |