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Stefan Mauck
"60 Jahre BRD"
21. März bis 09. Mai 2009

Die Galerie k4 freut sich, die aktuellen Arbeiten des Künstlers Stefan Mauck (*1973) in einer Einzelausstellung zu präsentieren.

Im Visier der künstlerischen Arbeiten des Villa Massimo-Stipendiaten stehen seit geraumer Zeit private Gegenstände und Besitztümer in ihrer Wechselwirkung im öffentlichen Raum. Sie gehen bewusst die Gratwanderung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit und zeigen versteckte Wirklichkeiten von Gebäuden und Architektur des modernen Stadtraums. Maucks Interesse gilt dem Gebäude, das losgelöst aus der Obhut des Architekten autonom wird im sozialen Gefüge - es entwickelt sich zum stillen Zeugen und zum Sammelsurium von Spuren und Markierungen.

Stefan Mauck verbalisiert und visualisiert mit seiner lakonisch nüchternen Sprache und Bildlichkeit, was sowohl Privathäuser oder Garagenanlagen, als auch öffentliche Gebäude wie ein Vereinshaus oder Elektrohaus still kommunizieren.
Während die bemalten Relief-Arbeiten als exakte Abbilder durch die äußerlichen Eigenheiten der Objekte (wie z.B. ein frischer Anstrich, Graffiti oder natürlicher Verfall) auf subtile Art von deren Geschichte und Umstände erzählen, liefern Maucks Textbilder innerhalb der Objekt-Silhouette eine schriftliche Berichterstattung über intime Details der Nutzungsgeschichte bzw. des Individualisierungsprozesses.

Neben privaten Gebäuden gerät nun ein neues, in der Öffentlichkeit stehendes Medium als markiertes Eigentum und Projektionsfläche für Individualismus ins Visier des Künstlers: das Statussymbol Auto. Vom Menschen produziert, wird es dem Konsum überlassen und der gewollt öffentlich sichtbaren Kennzeichnung durch seinen Besitzer. Neben Marken-, Modell- und Farbwahl wird meist innerhalb der vorgegebenen Grenzen der kleine Spielraum zur persönlichen Markierung genutzt.
Wertfrei und urteilsfrei sind die Beschreibungen der Textbilder zur Geschichte der verschiedenen Fahrzeugmodelle wie "Garagenwagen", "Stadtauto" oder "Limousine" und der, ihrer Besitzer. In "60 Jahre BRD" zeigen 61 Schnappschüsse von Autos den Versuch, der Massenkennzeichnung Nummernschild durch die Wahl einer in persönlichem Bezug stehenden Jahreszahl entgegenzuwirken.

Wieder entführt Stefan Mauck in eine Welt der intimen Einsichten, der Details und der Hintergründe, um letztlich jedoch die Austauschbarkeit dieser Informationsmodule sowie Automodelle, Häusermodelle oder gar Lebensmodelle vor Augen zu führen, die jeden angestrebten Individualismus negiert.







Stefan Mauck
"Nur keine Panik"
09. September bis 04. November 2006

Der Stage Pavillon steht ein wenig zurückgezogen - am Brückenkopf der Lorrainebrücke - im langen Schatten des Berner Kunstmuseums. Dazwischen finden sich ein Laden für Kochliteratur und die örtliche Drogenabgabestelle. Zu bestimmten Zeiten öffnet sich hier die Einlasspforte und ein Securitas-Mann überwacht das hektische, bisweilen träge Treiben auf dem Hof. Sein kurzer Schatten weist unmittelbar auf den Durchgang zur Stadtgalerie.

Es ist kein anziehender, kein "schöner" Ort, den man in Bern für die Kunst gefunden hat, eher ein wirklicher Ort: abseitig und sowohl städtebaulich wie auch gesellschaftlich brisant. Im Immobilienteil der Berner Zeitung vom 24. Juni 2005 lädt eine Annonce potentielle Interessenten zu seiner Besichtigung ein. Von einer "Ausbaureserve" ist dabei die Rede und in bester Maklerrhetorik wird deren "gute Verkehrsanbindung, der unüberbaubare Blick auf das Aaretal sowie die unmittelbare Nachbarschaft zu sozialen und kulturellen Einrichtungen" gepriesen.

In die Ausstellungsfläche im Innern des Kubus hat Stefan Mauck einen Dachboden mit Nischen und Gauben gesetzt, ein Zitat des Architekturtheoretikers Josef Frank, der im Jahr 1931 die Mansarde als Non plus Ultra modernen Wohnens beschreibt: "Leben. grosse Räume, grosse Fenster, viele Ecken, krumme Wände,... - kurz all die Vielfältigkeit, die wir im neuen Haus suchen, um der trostlosen Öde des rechteckigen Zimmers zu entgehen". Wäscheleinen verankern die utopistischen Ideen des Architekten im Hier und Heute eines innerstädtischen Wohnraum-Budenzaubers, eines alltäglich gewordenen Selbstausbau-Hokuspokus, der mit billigsten Mitteln und in kürzester Zeit auch die letzten Ecken und Winkel nutzlosen Raumes in profitable "Wohnträume" umzuwandeln verspricht. Hellblaue T-Shirts, sauber aufgehängt, liefern dem möglichen Interessenten der Ausbaureserve mit der geliehenen Stimme diverser Baufinanzierungspartner einen lakonischen Kommentar: "Wir zahlen die Tilgung", "Schöne Häuser für alle", "Urlaub auf der Baustelle" oder auch, summa summarum, "Bau's aus!".

Die Transformation der, wie O'Doherty schreibt "einzige(n) bedeutende(n) Konvention des Kunstlebens", des white cube, in einen urbanen Leerstand reflektiert zugleich dessen architekturhistorische Genese. Sie verweist aber auch auf die hier implizit wirksame Verschränkung von buchstäblichem und gesellschaftlichem Ort. Im Annoncieren des Ausstellungsraumes als Ausbaureserve, als einer potentiellen "site" (im amerikanischen Sinne des Wortes), hinterfragt der Künstler die ortsspezifischen (Kunst)Praktiken eines Galerieraumes, der im Rückzug in den Kubus und die Kunst Neutralität gegenüber den im Stadtraum virulenten Abläufe und Gegebenheiten beansprucht. Der Idee einer physischen Begrenzung des Ortes durch seine minimalistisch-aufgeladene Konstruktion stellt Stefan Mauck in dieser Weise den Gedanken eines sozialen Raumes gegenüber, eines Raumes also, der sich nicht als Kategorie oder formale Bedingung versteht, sondern als ein im Prozess befindliches Produkt sozialer Beziehungen.

Mit Fokus auf den Raum der Kunstinstitution spinnt Stefan Mauck in der Berner Ausstellung seine Kritik an homogenen Raummodellen weiter - eine Skepsis, die auch in der Serie looking for the beach under the pavement (2004) zum Ausdruck kommt. Mauck kontrastiert hier die Überschriften richtungsweisender Architekturaufsätze des 20. Jahrhunderts mit städtischen Hauswirklichkeiten. So agiert das Foto eines von Tags und Grafittis verschmierten Wartehäuschens nunmehr unter dem Titel the solitude of buildings und hebt explizit auf den gleichnamigen Vortrag des spanischen Architekten Rafael Moneo ab. Im Text von 1985 beschreibt dieser die Loslösung des Gebäudes aus der Obhut des Architekten und dessen Autonomie im sozialen Gefüge. Die Fotografie einer innerstädtischen Leerstelle im ansonsten eigenwillig verbaut anmutenden Strassenbild verleiht der Serie ihren Namen, rekurriert sie unter der Inschrift looking for the beach under the pavement einen Vortrag Hermann Hertzbergers. Hertzbergers Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 1971 hat die Entfremdung des architektonischen Konzepts vom Menschen und die Wiederaneignung des Wohnraums durch diesen zum Thema.

Die Text-Bild-Zusammenstellungen Maucks zeichnen sich dabei durch die hintersinnige Alltäglichkeit der von ihm gesammelten Bilder aus, die nicht so sehr im Widerspruch zu ihren Titeln stehen, als dass sie diese, ohne groß Aufwand zu betreiben, kommentieren. Eine Scheune mit geflicktem Dach titelt Die Lizenz des Selbstverständlichen, ein Privathaus mit Geranienbeeten aus den Achtziger Jahren Nur keine Panik. An die Schnittstelle von privatem und öffentlichem Raum, von gesellschaftlicher Macht und unumgänglicher Notwendigkeit gerückt, legen die Arbeiten Stefan Maucks so gesellschaftliche Zuschreibungen, Abgründigkeiten, Phantasmen und Absurditäten in einem fein gestimmten Ton von Ironie im Bild offen.

Das Spiel mit den Sphären des Öffentlichen und Privaten läuft als roter Faden ebenso durch zwei weitere Werkgruppen, die Textbilder und die seit Anfang 2005 entstandenen Reliefarbeiten, in denen Stefan Mauck Gebäude rekonstruiert, an die ein weiterer Akteur Hand angelegt hat: der Sprayer. Ausgangspunkt Stefan Maucks, dssen Hauptinteresse den Möglichkeiten räumlicher Praxis und ihren gesellschaftlicher Auswirkungen gilt, bildet hier wie dort die Architektur, der gebaute Um-Raum also. In den diversen Arbeiten des Künstlers tritt dieser als Träger sozialer, politischer und psychologischer Kontexte zu Tage. Während bei den Textarbeiten die Gebäude, ob Hochsitz oder Einfamilienhaus, als Binnenstruktur fungieren, in die sich persönlicher Wille, staatliche Baupolitik, finanzielle Rahmung und nicht zuletzt auch der Zeitgeist eingeschrieben haben, vermittelt sich das Gebäude im Rahmen der Reliefs in der alltäglichen Symbiose von gebautem Raum und kommunizierender Fassade - einer Symbiose, die hier zugleich auch eine von skulpturaler und malerischer Form ist. Polone heißt es da auf einem Barackenbau, Just Move auf einem anderen. Hallo Pseudo Rapper nennt sich ein Funktionsbau, Fucking Vandal ein Ladenlokal. Ungefragt und ungenehmigt beteiligt sich der Sprayer am Gemeinschaftsprojekt Stadtbild und findet dabei einen Ort, ein Abseits gewissermassen, von dem auch Stefan Mauck zu sprechen scheint. Ob Fotosimulation, Textbild, Relief oder Installation: immer wieder wird der lakonisch gehaltene Sprachgestus Maucks spürbar, jene Nüchternheit der Sprache, die für alle Arbeiten des Künstlers, besonders aber für seine Textarbeiten paradigmatisch ist. Denn gerade in der Einfachheit und Dürftigkeit der von ihm gebrauchten Mittel vermögen die Bewohner der Mauckschen Textgebäude zu Akteuren einer Szenerie zu gerieren, in der persönliche Schicksale, selbst gewählte Patentlösungen oder auch Notlösungen dem Betrachter und Leser ein Bild des Nachbarn zu vermitteln wissen, dessen Handeln man zu kennen glaubt, ohne ihn jemals getroffen zu haben.

"Dichterisch lebet der Mensch", hatten Hölderlin und Heidegger behauptet, prosaisch haust er in dürftiger Zeit, setzt Stefan Mauck hinzu." So beschreibt Hannes Böhringer in seiner Laudatio anläßlich der Verleihung des Sprengelpreises 2005 die Besonderheit der künstlerischen Arbeiten Stefan Maucks. Und merkt weiterhin an: "Vielleicht leben wir in einer Zeit, die viel Kunst produziert, aber die Kunst im Innersten nicht nötig hat. Sie dekoriert sich nur mit ihr und verschwendet ihren Reichtum mit anderem Unnötigen. Denn Unnötiges brauchen wir Cro-Magnon-Menschen unbedingt. Darum tun Stefan Maucks Figurengedichte gut: Ihr prosaisches Grau zeichnet unsere Zeit, doch es zeichnet nur ihre poröse Fassade, damit unsere Einbildungskraft ins Innere des Inneren dringt und in den kleinen Portionen den Überschuß an unverwüstlich Herrlichem suchen muß."

Es ist eine treffende Formulierung.