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Valerie Krause
Helle Nächte 15. november 2008 - 10. januar 2009 Wir freuen uns, erstmals die Künstlerin Valerie Krause (*1976) in einer Einzelausstellung zu präsentieren. Valerie Krauses Skulpturen verweisen auf eine Menschenhaltung - oder eine menschliche Körperhaltung - und deren Bewegtsein, deren Position und deren Möglichkeiten der Dimensionswahrnehmung und Dimensionsverschiebung. Die Arbeiten der Künstlerin entstehen aus wenigen Momenten der Bewegung oder einer Haltung, Wahrnehmung und Empfindung ihrer Umwelt gegenüber, stets in der Auseinandersetzung mit Ausdehnung, Dynamik, Richtung und Schwerkraft im Umraum. Hinzukommend zum offengelegten Prozess der "Skulpturenbildung" bestimmen Materialität und vor allem die Farbe den Charakter einer Skulptur. Die Titel, oft fragmentarisch gewählt, sind Verweise auf die persönlichen Beweggründe und Entscheidungen der Künstlerin und geben den Arbeiten ein Stück Intimität zurück. Die Fotografien und die Video-Arbeit Valerie Krauses sind Teil ihrer real bestehenden Welt. Sie bilden ein Sammelsurium von Momenten, ein Repertoire der wechselseitigen Beziehung zur Skulptur und knüpfen eine Verbindung vom Bild zum Gegenstand - dann, wenn sie wie hier in der aktuellen Ausstellung in einer Installation zusammengebracht werden. Dr. Vanessa Joan Müller zur Arbeit von Valerie Krause (Katalogtext, 2008) Architektur lässt sich im weitesten Sinne als gebaute Umgebung betrachten. Diese Terminologie hat den Vorteil, dass sie den umbauten Raum als Teil eines größeren Ganzen begreift und den Menschen als Bewohner ebenso impliziert wie die Landschaft, in der sich die Architektur situiert. Gebäude und Landschaft bilden dann keinen Gegensatz, sondern ergänzen sich auf subtile Weise. Die Skulpturen und Fotografien von Valerie Krause kreisen um räumliche Konfigurationen, "Umgebungen" und manchmal auch formale Korrespondenzen zwischen Natur und Stadt, ohne sich auf eine klassische Natur / Kultur-Dichotomie einzulassen. Obschon ihre Fotografien keine reinen Landschaften zeigen, sondern solche mit Spuren von Bebauung oder sogar von rauer Betonästhetik geprägte urbane Orte, scheinen diese ihren eher amorphen Skulpturen genuin zu korrespondieren. Die Skulpturen wiederum greifen elementare Formen auf, die konzentriert in dreidimensionale Erscheinungen übersetzt werden. Sie wirken eher gewachsen als gebaut, verdichten Momente des Zögerns, des Innehaltens, des Balancierens. Es sind keine strengen geometrischen Konstrukte, sondern Gebilde, die Bewegungen im Raum aufzunehmen scheinen. Manchmal wirken die Formen fast industriell, streng in ihrer Kantigkeit, herausfordernd in ihrer Proportion. Lange Stäbe breiten sich auf dem Boden aus, setzten Markierungen, grenzen sich ab. Diese geordnete Eckigkeit bricht irgendwann aber auf; Holz wechselt das Metall ab, die Form wird freier, die Richtung ändert sich. Es ist kein radikales Ausscheren aus einer vorgegebenen Struktur, sondern eher das Verlassen eines zu geradliniegen Prinzips. Valerie Krauses skulpturale Kompositionen sind sorgfältig arrangierte Situationen, die trotz ihrer definierten Form kontigent auf alle Möglichkeiten verweisen, die es neben der aktuell angenommen innerhalb des vorgegebenen Rahmen noch geben könnte. Manche Werke leben von Kontrasten, von dem Zusammenfügen an sich disparater Formen, wenn ganz freie Strukturen auf klassische geometrische Körper treffen, ein Stück Karton sich um einen Betonblock schmiegt oder ein Aluminiumstreifen einen Holzkubus umschnürt. Da geht es dann auch um ganz elementare Dinge: Dass zwei unterschiedliche Werkstoffe einander berühren, ohne sich einzugrenzen, dass die Strenge der einen Form von der Freiheit der anderen gemildert wird und umgekehrt diese nicht zufällig wirkt, sondern genau richtig für den Platz, den sie einnimmt. Die Oberflächen dieser mal strengen, mal fast improvisiert wirkenden Konfigurationen sind stets in hellen Farben gehalten: blaue Lasur, matt schimmerndes Metall, hell gestrichenes Holz, Beton oder Aluminium. Nichts ist aufdringlich auf Effekte bedacht. Das Austarieren der Kräfte ist vielmehr mit einer Leichtigkeit inszeniert, die nur dann entsteht, wenn der Prozess der Genese ein langsamer ist. Vollendet ist dieser, wenn das Resultat fast vollkommen, aber nicht vollständig abgeschlossen ist. Erst in der Verweigerung der Perfektion nämlich, der bewusst offen gehaltenen Struktur, bildet sich jener Restraum, der das individuelle Sich-in-Bezug-Setzen von Figur, Betrachter und Raum möglich macht. "alle meine Dinge" nennt sich eine großformatige Arbeit, die zunächst vielleicht an einen umgedrehten Tisch denken lässt, wenn da nicht der blau lackierte Holzstab wäre, der aus einem der Tischbeine wächst, und die unregelmäßig geformte Scheibe, die sich auf der umgedrehten Tischplatte eingenistet hat. Es sind wiederkehrende Motive aus dem Schaffen von Valerie Krause, die hier zusammengefunden haben und fast exemplarisch ein von subtilen Gegensätzen geprägtes Kompositionsgeschick verraten. An sich arbeitet Valerie Krause entlang der Parameter klassischer Bildhauerei. Es geht in ihren Werken um Dimension und Richtung, um Volumen und Reduktion, aber auch um den körperlichen Aspekt von Bewegung. Scheinbar disparate Formen und unterschiedliche Materialien werden zu neuen Allianzen gefügt. Strenge Linien treffen auf frei formulierte Formen. Abweichende Bewegungen durchkreuzen die Selbstverständlichkeit von Richtungsvektoren im Raum. Das alles könnte ein selbstgenügsames Spiel der sanften Minimalisierung sein. Die Fotografien jedoch, die parallel zu den skulpturalen Arbeiten entstehen und diese kommentieren, ohne Teil von ihnen zu sein, eröffnen einen Horizont, der weiter reicht. Tatsächlich sind diese Landschaftsbilder im weitesten Sinne Pendants zu den Formfindungen. Eine Landschaft spiegelt sich in einer Wasseroberfläche, die zur opaken Fläche wird. Ein Betonstreifen grenzt den Rasen vom Wasser ab zu setzt eine zusätzliche visuelle Markierungslinie in das von Horizontalen bestimmte Bild. Das suchende Objektiv der Kamera kann die Wirklichkeit in klare Linien übersetzen und Natur aussehen lassen wie gebaut. Die Kamera kann aber auch aus der gebauten Umgebung einzelne Elemente filtern und skulptural in Erscheinung treten lassen. Der Pavillon am Ufer der Pariser Seine etwa lebt in seiner Betonästhetik vom dem Sonnenlicht, das durch eine kreisrunde Öffnung fällt und auf dem Boden eine geometrische Figur erzeugt. In Valerie Krauses Fotografie ist die Architektur auf diese geometrischen Koordinaten reduziert: die Vertikalität der Linien und die Kreise aus Sonnenlicht und Beton. Gerade das Immaterielle - das Licht, die Leerstelle - ist von Gewicht. Eine Skulptur wiederum präsentiert sich wie ein Kommentar als flache, runde Scheibe, materiell präsent, aber von ungewissem Gewicht. Sie ist nicht mit dem Zirkel geschlagen, sondern ein leichtes Oval mit ungeradem Rand. Passend zu den Fotos der Betonarchitektur und der auf den Kopf gestellten Landschaft mit dem Betonstreifen in der Mitte schwebt ein hellblauer Stab an der Wand, an dem eine kleine Scheibe befestigt ist. Auch hier finden sich Formen aus der fotografierten Wirklichkeit wieder, die aber nicht einfach wiederholt werden, sondern in ein von kleinen Unterschieden bestimmtes Zwiegespräch treten: Das Konstruierte, Geordnete, auf Symmetrie bedachte kennzeichnet die (Stadt-)Landschaften der Fotografien, die Skulpturen hingegen artikulieren sich freier, offener, und spekulieren darauf, dass das Imperfekte auch eine perfekte Lösung sein kann. Wenn diese tänzerische Leichtigkeit indessen zum fotografischen Motiv wird, reagiert die Bildhauerin Valerie Krause mit formaler Strenge. Der Boden-Installation "à perte de vu" (So weit das Auge reicht) aus zwei aneinander geschweißten Aluminium-Profile korrespondieren großformatige Aufnahmen, die einen Mann in einer von Fenster geprägten Halle zeigen. Er scheint zu tanzen, jedenfalls ist der Kontrast zwischen dem Raster der Fenster und seiner dieses Raster aus Horizontalen und Vertikalen durchbrechenden Bewegung offensichtlich. Die Spannung, die in dieser Situation liegt, überträgt sich förmlich auf die am Boden liegenden Profile, die ihrerseits in Schwingungen zu geraten scheinen. Man spürt den Wunsch nach jener strukturellen Klarheit, die eine Situation einfach macht, aber auch das Wissen, dass diese Einfachheit auf Dauer nicht befriedigen kann. Die Dinge sind zu kompliziert, als dass die schlichte Reduktion einen Ausweg liefern könnte. So bleibt alles in Spannung, für den Moment arretiert, aber perspektivisch auf einen Raum gerichtet, der jenseits des aktuell Sichtbaren weitergeht. Alles ist in Bewegung, und doch im Augenblick fixiert. |