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Manuel Cerda
15. September - 3. November 2007

Wer kennt sie nicht, die unter dem geläufigen Namen "3D-Brille" bekannt gewordene Sehhilfe zum Erzeugen einer räumlichen Tiefenwirkung beim Betrachten explizit hergestellter Bilder. Ein roter und ein blauer Farbfilter vor Augen sorgen für die Trennung des Dargebotenen in zwei separat gefilterte Halbbilder, die vom Gehirn wiederum zu einem räumlich-illusionistischen Ganzen zusammengesetzt werden.

Bedient man sich jedoch der selbst gebauten Rot/Blau-Filter-Brillen des mexikanischen Künstlers Manuel Cerda (*1972) zum Betrachten seiner Werke, so ergibt sich kein einheitlicher Raum aus den zwei Filterebenen. Vielmehr ermöglicht erst der Blick durch den roten Folienstreifen der Brille ein Beiseiteschieben des "zarten Spitzenvorhangs" auf der Oberfläche.

Hinter der vordergründigen, textilähnlichen, weißen Ornamentik auf warmen Farbtönen drängen sich in kühlem Blau gemalte Szenen zum Betrachter durch: zusammen gekauerte Männer und Frauen in einer Mauernische, die Hände über dem Kopf, flüchtende, sich unter Bombenhagel duckende Menschen, weinende und protestierende Frauen mit Kopftüchern, wütende mit Flaschen werfende Männer, Soldaten mit Schlagstöcken, Hubschrauber und Panzer. Hineingeworfen ins Geschehen fühlt man sich für einen Moment durch die raumgreifende, einsaugende Komposition und kraftvolle Präsenz, konfrontiert mit allseits bekannter und doch gerne ausgeblendeter Problematik. Nur gut, dass wir die Brille schnell wieder beiseite legen können.